Predigt
Konfirmation
Vom Sinn der Konfirmationssprüche
Jesaja 45,24
„Im Herrn habe ich Gerechtigkeit und Stärke.“
Liebe Gemeinde, liebe Familien –
liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden,
Ihr seid die letzten – äh – Konfirmandinnen und Konfirmanden, die ich konfirmieren werde.
Und am kommenden Sonntag habe ich selber sog. „Goldene Konfirmation“; d.h. meine Konfirmation jährt sich zum 50. Mal und ich bin in meine Heimatgemeinde zum Gottesdienst und zum Beisammensein eingeladen.
Ich will aber nicht über mich reden. Vielmehr lösen bei mir diese Gedanken die Frage aus, was denn eigentlich im Leben bleibt vom Konfirmandenunterricht und von der Konfirmation.
Man müsste jetzt einmal die Erwachsenen fragen – Sie, die Eltern, die Paten, die Großeltern, Tanten und Onkel. Können Sie sich noch erinnern? Und wenn ja, woran?
Das fällt uns wahrscheinlich ein: das Auswendiglernen, vielleicht sogar die Angst, bei der Prüfung aufgerufen zu werden, und doch die Bibelverse nicht gelernt haben? Ein paar Namen derer, die auch konfirmiert wurden, wissen wir auch noch?!
Und der schicke Anzug, das schicke Kleid fallen uns noch ein. Und die schöne Feier, und die, die daran teilgenommen haben …
Umfragen zeigen: Es bleibt vor allem der Eindruck, den das Ganze auf uns gemacht hat. Der rein emotionale Eindruck, ob man den Unterricht als positiv oder negativ erlebt hat, ob der Pastor ok war und die Gemeinde nicht nur über die im Gottesdienst störenden Jugendlichen die Nase rümpfte. Der Eindruck von diesem Gesamtpaket ‚Konfirmandenunterricht und Konfirmation‘ trägt stark dazu bei, welche Sicht ein Mensch in seinem Leben auf die Kirche hat und was ein Mensch von der Kirche hält.
Aber meine Frage geht noch tiefer: Was ist Ihnen eigentlich geblieben, was wirklich von Bedeutung für Sie ist? Und was für unsere heutigen Konfirmanden vielleicht Bedeutung haben könnte bis über ihre Goldene Konfirmation hinaus?
Und jetzt darf ich doch noch einmal von mir sprechen: In meinem Leben hat mein Konfirmationsspruch eine erstaunliche Geltung gehabt und hat er immer noch. Nicht, dass ich immer an ihn gedacht hätte. Nein, manchmal ist er mir sogar ziemlich lange Zeit gar nicht in Erinnerung gekommen. Aber dann eben doch wieder! In ganz bestimmten Situationen. Ihr findet ihn übrigens als Überschrift dieses Gottesdienstes auf dem Titelblatt: „Im Herrn habe ich Gerechtigkeit und Stärke!“ – Dieser Bibelvers hat mir tatsächlich in schwierigen Lebenssituationen geholfen. Er hat mich nämlich – und das gleich mehrmals – darauf aufmerksam gemacht, dass es so ist, wie der Vers eben sagt: Im Herrn hatte ich tatsächlich in ganz konkreten Situationen Gerechtigkeit und Stärke. Er, Gott, hat mich z.B. mit Hilfe von zunächst gar nicht auffälligen Gegebenheiten, die dann irgendwie an einem ganz konkreten Punkt zusammenliefen, die dann ganz wichtig wurden, vor total ungerechten Menschen bewahrt. Er hat mich ganz stark diesen widerstehen lassen! Clever vor allen Dingen!

Und wenn man das einmal erlebt hat, wird man aufmerksam in anderen Situationen, ob das nur eine Eintagsfliege war oder ob das auch zu anderen Zeiten vorkommt. Und: es kam vor! Und es wird auch wieder vorkommen. Und so kann ich nun ziemlich getrost durchs Leben stapfen.
Von vielen Älteren weiß ich, dass ihnen das auch so ergeht oder ergangen ist. Der Konfirmationsspruch ist für viele wichtig geworden.
Ich weiß nicht, wie es in der jetzigen Elterngeneration ist? Wissen Sie, liebe Eltern, noch Ihren Konfirmationsspruch?
Vor ein paar Wochen war ich platt, als mir eine Mutter ziemlich unvermittelt ihren Spruch nannte und bemerkte, dass er sie durch’s Leben begleitet.
Und gleich bekommt Ihr, lieben Konfirmandinnen und Konfirmanden, Euren Spruch. Ihr habt ihn Euch selbst ausgesucht, jedenfalls die meisten von Euch. Das war übrigens früher anders. Und meinen Konfirmationsspruch hat mein Pastor ausgesucht, der mich konfirmiert hat. ich bin ihm bis heute dankbar dafür.
Und ich bin sicher, dass Ihr im Leben erfahren könnt, was Eure Sprüche sagen. Wir werden sie gleich bei der sog. Einsegnung hören. In ihnen stecken ganz viele lebenstaugliche Ratschläge, die Ihr auf jeden Fall im Auge oder besser: im Kopf behalten solltet. Weil sie Euch durch’s Leben tragen können.
Am liebsten würde ich jetzt mit jeder Einzelnen und mit jedem Einzelnen einmal über ihren bzw. seinen Bibelvers sprechen.
Was ist das Wichtige an Konfirmationssprüchen? Warum erweisen sie sich im Leben als tragend?
Antwort: Weil sie uns immer wieder vor Augen führen, wie Gott unsere Wege mit uns geht. Wir sind gar nicht auf uns alleine gestellt.
Er macht manches wohl und gut, wo wir als Menschen vielleicht ganz andere Pläne haben. Darauf macht ein Bibelvers aufmerksam wie Psalm 37,5: „Befiehl dem Herrn deine Wege und hoffe auf ihn; er wird’s wohlmachen.“ Das haben die, die die Psalmen geschrieben haben, gewusst, und sie geben ihre Erkenntnis weiter, damit auch wir diese Entdeckungen machen. Und so machen Menschen bis heute diese Beobachtung und werden Gott dankbar. (Den Vers hat aber keine/r von Euch gewählt.)
Ein beliebter Spruch ist in jedem Jahr 1. Korinther 13,13: „Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; die Liebe aber ist die Größte unter ihnen.“ Ja, so ist es. Und das kann jede/r erfahren: Die Liebe Gottes zu uns, die Liebe, die wir im Herzen tragen und die Liebe, die wir von anderen geschenkt bekommen, sind tatsächlich das Größte, was wir erfahren können. Und Gottes Liebe trägt uns durchs Leben; im Glauben wissen wir von ihr; Jesus hat in seiner Liebe zu uns sich vollkommen aufgeopfert; er hat sogar die Hoffnung über den Tod hinaus eröffnet. Unser Leben hat Wert, unendlichen Wert für Gott. Niemand von uns ist nur einfach Sternenstaub.
Beliebt ist auch immer wieder Psalm 23,1: „Der Herr ist mein Hirte.“ Ja, so ist es. Aber das muss ein Mensch in seinem Leben erst einmal erkennen. Und darauf macht ihn der Bibelvers aufmerksam: ‚Denk doch mal darüber nach, wer gibt Dir denn Nahrung zu rechten Zeit und für Deine Seele.‘ In wie viel Kummer und Not haben das Menschen schon gespürt?
Liebe KonfirmandInnen,
Ihr werdet gleich Eure Bibelsprüche für Euer Leben, zugesprochen bekommen.
Und ich betone jetzt: auch wenn Ihr sie selbst ausgesucht habt, bekommt Ihr sie doch „zugesprochen“.
Zusprechen meint nicht, dass ich sie Euch gleich sage. Das tue ich auch, aber das müsste ich ja nicht, denn Ihr kennt sie ja eh. Und so eine nette, würdige Zeremonie für den Fotoapparat ist das auch nicht.
Sondern Zusprechen meint: Gott möge in Eurem Leben an Euch das wirken, was der jeweilige Spruch sagt. Er möge so an Euch tun, mit Euch umgehen und Euer Leben im Sinne des Bibelverses begleiten.
Das Zusprechen des Bibelverses ist echter Segenszuspruch an Euch: Gott selbst ist es, der Euch segnet. Und sein Segen wird darum insbesondere in der Weise in Eurem Leben und an Euch konkret werden, wie es Euer jeweiliger Konfirmationsspruch sagt:
Als Weisheit im Herzen, als Erkenntnis, Besonnenheit, Glaube, Kraft, Zuversicht, Hilfe in Not, Fröhlichkeit, als seine Güte, als Mangellosigkeit – um einfach ein paar wichtige Stichworte aus Euren Sprüchen aufzugreifen.
Wer gesegnet wird, der kann darauf zählen, dass er von Gott begleitet wird. Wir veranstalten hier keine Zauberhandlung, wenn Euch die Handauflegung gleich vielleicht auch so vorkommen mag. Wir wollen nichts heraufbeschwören, wir sprechen auch keine frommen Floskeln, sondern wir bitten schlicht Gott um seine Begleitung für Euch – für jede/n Einzelne/n von Euch! Und Segnen geht weit über unser menschliches Erbitten hinaus, weil Gott selbst den Segen tatsächlich schenkt.
„Die Worte des Segens bewirken etwas Positives, das wir Menschen nicht selbst machen können. Ein Segen schließt das eigene Zutun, das eigene Bemühen nicht aus, aber gesegnete Menschen erfahren: Es gibt etwas Größeres als die eigenen Anstrengungen.“
(https://www.ekhn.de/aktuell/gluecksegen/ueber-den-segen/wie-geht-das-segnen-ganz-praktisch.html)
Schluss
Liebe KonfirmandInnen,
meistens wird ein Segen bei einem Abschied gesprochen, z.B. in den biblischen Geschichten, wenn ein alter Vater seine Kinder segnet, oder Abraham in ein anderes Land aufbrechen muss, oder bei uns immer am Ende eines Gottesdienstes, oder der sog. Reisesegen oder auch der Sterbesegen.
Heute wird der Segen auch bei einem Abschied gesprochen – eben jetzt am Ende der Konfirmandenzeit.
Abschied bedeutet: jemanden gehen zu lassen, ihn nicht mehr begleiten zu können. Konfirmation ist ein Abschied. Und leider wissen wir aus Erfahrung, dass es zuweilen ein Abschied für immer ist. Wir Teamer haben versucht, Euch ein Jahr lang zu begleiten. Jetzt wo wir uns voneinander trennen, möchten wir Euch Euer gutes Segenswort auch in dem Sinne mitgeben, dass auch wir persönlich Euch der Begleitung Gottes anvertrauen. Der Segen Gottes wird dafür sorgen, dass es immer gut mit Euch sein wird oder auch wieder werden wird, wenn es einmal nicht so ist. Wir wissen es: der Segen Gottes wird an Euch aufgehen. Ihr werdet spüren, dass wir Menschen im Leben eine ganz andere Begleitung haben als allein die Menschen, die uns wohlgesonnen sind, eine Begleitung, die immer hält. Und dieses segnende Tun heute wird uns immer miteinander verbinden, auch über räumliche und zeitliche Entfernungen hinweg. Wir durften die sein, die Euch den Segen Gottes nahebringen. Wir laden Euch aber ein in die Segensgemeinschaft hier vor Ort, also zu unseren Gottesdiensten und Veranstaltungen, die Euch helfen können, den Segen Gottes an Euch immer wieder zu bemerken.
Amen.
Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle unsere menschliche Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus.







