Frauen der Bibel

Liebe Gemeinde, liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, liebe Gemeinde,


mit vier in der Bibel erwähnten Personen haben wir uns gestern und vorgestern beschäftigt. Frauen waren es alle. Das hängt damit zusammen, dass oft Frauen in der Bibel eine besondere Rolle spielen. Und das ist erstaunlich. Schließlich waren sie vollkommen sozial abhängig von den Männern.

Im Blick auf die Frauen ist die Bibel ein erstaunliches Buch der Antike.
Zum einen nahm Jesus Frauen als gleichberechtigt in seine Gemeinschaft auf. Er half auch benachteiligten Frauen und behandelte sie nicht als Beherrscher, wie es in der Umwelt üblich war.
In der Bibel sind es zum anderen an bestimmten entscheidenden Stellen nur allzu oft Frauen, die das Vorbild abgeben. Z.B. als Jesus sterben muss, fliehen die Jünger. Die Frauen aber stehen unter seinem Kreuz und sitzen an seinem Grab.
Und zum Dritten waren es gleichberechtigt auch Frauen in den ersten Gemeinden, die wichtige Ämter innehatten.
Die Botschaft der Bibel ist also klar: „Die Unterschiede zwischen Menschen können keine Rangordnung begründen.“

Warum diese Vier?
Alle vier stehen mit ihrer Biographie für etwas, was Euch Konfis, ja uns allen, etwas für unser Leben mitgeben kann.

Was ist das bei Eva?

Eva, das ist die, die als die erste Frau, sozusagen unser aller Urururgroßmutter ist. Eigentlich heißt Eva übersetzt aus dem Hebräischen nichts anderes als „Leben“ (cheva). Daran hört man schon, dass es nicht einfach um eine genetische Vorfahrin geht, sondern um das „Leben“ als solches:
Um Geboren werden, um sich in dieser Welt zu finden, mit all dem was Leben ausmacht. Da ist man in diese Welt gesetzt – und was dann?
Da haben uns unsere leiblichen Eltern in die Welt gesetzt – und was dann?
Eva und auch ihrem Mann Adam wird gesagt: „Macht euch die Erde untertan!“ Und das heißt nicht, die Erde auszubeuten. Alles an sich zu reißen. Sondern: „Lebt verantwortlich auf ihr!“
Da gibt es auch Fallen und Versuchungen, die Schlangen lauern und wollen auf die falsche Fährte locken. Das Leben ist schon im Paradies nicht einfach als ein Schlaraffenland gedacht, wo man nur umherspazieren muss und die gebratenen Schnitzel fliegen einem schon in den Mund.
Nein, auch die Vorstellung vom Paradies geht davon aus, dass der Mensch Aufgaben hat und arbeiten muss!
Dann kam noch die Geschichte mit der Versuchung dazu, der Eva nachgab und ihr Mann auch. Das macht es alles „nur“ komplizierter und vor allem schwerer. Aber die Aufgabe, mit der Welt verantwortungsvoll umzugehen, gab es schon, bevor die Schlange ihr Versuchungswerk begann.

Eva steht für Euch Konfis – für uns alle – als eine Anfrage und Aufforderung:
Wie willst Du eigentlich Dein Leben verantwortlich meistern? Was wirst Du tun? Was willst Du tun? Und was solltest Du tunlichst nicht tun? Was heißt das, der Lebensverantwortung für sich und andere nachzukommen?

Ihr steht am Anfang Eures Lebens. Noch läuft alles in den Bahnen des Elternhauses. Aber mit der Konfirmation fängt es ja dann schon an! Ihr werdet zum ersten Mal richtig mündig! Religionsmündig! Ihr könnt ohne die Eltern zu fragen über Eure Religion bestimmen, darüber, ob Ihr zur Kirche gehören wollt. Bei der Konfirmation werdet Ihr selbst gefragt werden, ob Ihr denn konfirmiert werden wollt? Da könnt Ihr nicht mehr zu Euren Eltern rüberblinzeln um Euch zu orientieren!
Und viele Entscheidungen kommen danach auf Euch zu: Berufswahl, Partnerwahl, berufliche Veränderungen. Mancher Stern am Horizont wird sich als ein Truglicht erweisen. Und was dann?
Das Leben verantwortlich zu meistern – das ist die Lebensaufgabe, vor die jeder Mensch gestellt ist. Und jeder Mensch verdient darum Respekt, weil er dieser Aufgabe nachkommt! Die Umstände sind sehr unterschiedlich. Manche müssen kämpfen. Manche denken: es lohnt sich nicht und resignieren. Manche fliegen nur so durchs Leben. Aber jeder muss das Leben meistern!

Eva ruft uns dies ins Bewusstsein!

Dann ist da Sara. Sie steht für ein zweites, was ganz wichtig ist im Leben: Vertrauen können. Vertrauen zu wagen. Vertrauen in Menschen. Vertrauen in Gott. So vertrauen zu können, dass man Wege mit anderen teilt. Sara ging mit Abraham.

Das vertrauende Miteinander ist ein Schlüssel zum Erfolg! „Fürstin“ heißt Sara übersetzt. Sie wurde eine Fürstin, weil Gott ihr schenkte, was er ihr zugedacht hatte.

Ihr denkt vielleicht: indem ich mich von den anderen absetze, und meinen eigenen Weg gehe, komme ich nur voran. Natürlich muss jeder seinen eigenen Weg gehen. Aber ohne die Menschen um uns herum, geht es nicht. Und ein oberflächliches Miteinander geht auch nicht. Nur wo echtes Vertrauen gewagt wird, gibt es ein erfülltes Weiterkommen.
Ein hochnäsiges Belächeln wie es die Sara sogar über Gottes Ankündigung tat, bringt nicht weiter, sondern zerstört die Möglichkeiten des Vertrauens.

Selbst in absurden Situationen muss man immer wieder auch Vertrauen wagen. Sara war steinalt; dass sie lächelte ist verständlich.

Aber absurd war auch die Situation z.B. in der ehemaligen DDR. Das wisst ihr nicht mehr: da konnte man eigentlich niemandem vertrauen, weil einer den anderen bespitzelte. Wir haben einmal einen Rostocker Pfarrer hier in der JohK gehabt. Der hat nach der Wende festgestellt, dass er von zig Personen bespitzelt worden war. Und leider auch von ihm nahe stehenden „Freunden“.
Trotzdem muss man sagen, wenn nicht einige Menschen damals sich gegenseitig vertraut hätten, ja wenn sie nicht auf Gott ihr Vertrauen gesetzt hätten und nicht in den Kirchen ihre Friedensgebete mutig in den Freitagabend gesprochen hätten, wäre es niemals zu einer (noch dazu) friedlichen Wende gekommen!

In vielen Ländern dieser Welt ist das so. Zum Glück leben wir als freie Menschen.

Und trotzdem gibt es auch bei uns viele Menschen, die verlernt haben zu vertrauen, weil sie das Verhalten der Kollegen am Arbeitsplatz oder sogar das der eigenen Familie völlig „irritiert“. Sie wissen nicht mehr, wie es die Menschen in ihrem Umfeld eigentlich mit ihnen meinen. Und ich wette mit Euch, dass es das auch schon bei einzelnen Schülern gibt!

Also: vor dem allem mögt Ihr bewahrt bleiben. Aber Sara mit ihrem Vertrauen möge Euch ein gutes Beispiel abgeben, eine vertrauende Lebenshaltung einzunehmen und zu bewahren.

Wofür steht Maria im Blick auf KonfirmandInnen?
Maria hat den Gottessohn geboren. Dafür wird sie verehrt. Wenn wir aber die Bibel genau betrachten, wandelt sich ihr Verhältnis zu Jesus vollkommen. Die Gruppe hat das sehr schön herausgearbeitet.
Nicht mehr die leibliche Bindung zwischen Mutter und Sohn zählt, sondern aus Maria wird eine Jüngerin und dann in der Urgemeinde eine Apostelin.

Auch Ihr, liebe Konfis, werdet Euch von Eurem Elternhaus lösen. Kluge Eltern geben Euch auch frei. Aber das tun Eltern nicht immer gerne. Und irgendwie bleibt man immer auch Kind seiner Eltern.

Manchmal sprechen alte Leute zu mir von ihren Kindern. Und auf einmal stellt sich heraus, dass diese „Kinder“ schon pensioniert sind. Das heißt, bei aller Selbständigkeit bleibt die Konstellation Eltern-Kind erhalten.

Manchmal gibt es Riten, die helfen Eltern und Kindern besser damit umzugehen. So muss die Sitte entstanden sein, dass Brautväter ihre Töchter bei der kirchlichen Trauung in die Kirche führen, um sie dem zukünftigen Schwiegersohn zu „geben“.

Und wenn ein Vater oder eine Mutter stirbt, dann spüren Menschen, wie wichtig ihnen diese Menschen waren, selbst wenn sie nachher körperlich so schwach waren, dass sie gar nichts mehr tun konnten.

Die Bindung zwischen Eltern und Kindern ist eine ganz besondere. Und sie bleibt immer erhalten. Und wo sie zerbricht, da muss man sich fragen: was ist da passiert? Bei allem Streit, der vor allem in der Zeit der Pubertät herrscht, in der die Eltern unausstehlich und peinlich werden, kommt es zum Glück nicht so sehr häufig zu solchen Zerwürfnissen.

Aber:
Trotz all dem Gesagten ist diese Bindung eine vorläufige. Ihr werdet Euren eigenen Weg gehen müssen. Ihr werdet andere Bindungen suchen müssen, den Verpflichtungen nachgehen, von denen Ihr meint, dass es die richtigen sind.

Das gilt auch in weltanschaulicher Hinsicht.
Vor Kurzem habe ich eine Konfirmandin wiedergetroffen, die vor wenigen Jahren hier eingesegnet worden ist. Sie war Muslima geworden! Da war ich aber platt, als ich sie mit Schleier um den Kopf sah.
Die meisten Konfis, glaube ich, werden erst einmal durch die beruflichen Dinge und die Partnerschaften so in Anspruch genommen, dass sich die weltanschauliche Frage nicht so ganz direkt ergibt.

Viele treffe ich dann aber wieder, wenn sie heiraten wollen, dann nämlich, wenn sie nicht nur zum Standesamt gehen, sondern vor den Traualtar treten wollen. Gerade letzte Woche noch sagte mir eine ehemalige Konfirmandenhelferin: „Das machen wir ganz bewusst. Heute braucht man die Kirche ja nicht mehr, um schön heiraten zu können!“

Dann spätestens aber stellt sich die weltanschauliche Frage, wenn ein Kind angekommen ist. Sollen wir es taufen lassen? So fragen sich die jungen Eltern. Und tatsächlich: auch heute sagen die meisten zu dieser Frage: Ja!

Aber eigentlich stellt sich die weltanschauliche Frage schon heute für Euch: wer sich konfirmieren lässt, bindet sich auch, und sagt „Ja“ zu seiner Taufe. Konfirmation ist auch ein Glaubensbekenntnis, vor allem in einer Welt, die so oft von Gott wenig wissen will.

Also: Maria mit ihrer Wandlung von der Gottesgebärerin zur Jüngerin stellt uns vor die Frage nach den religiösen Bindungen, die wir eingehen wollen.

Dann ist das noch Maria Magdalena.
Vergesst zunächst einmal alle die abenteuerlichen Dinge, die man über sie lesen und hören kann, z.B. sie sei die „große Sünderin“, von der im Evangelium berichtet wird. Oder sie sei die Liebhaberin Jesu gewesen. Das ist alles Unsinn und spricht nur für die blühende Phantasie der Autoren, die so etwas von sich geben – leider schon seit ich glaube ungefähr 1800 Jahren!!
Der Bibeltext spricht eine ganz andere Sprache!
Schon dass Maria Magdalena aus Magdala, dem heutigen Migdal, stammt und sie deshalb den Beinmalen trug, kann man gar nicht beweisen.
Wichtig ist die Initialzündung, die sie erlebte. Jesus hatte ihr geholfen. Sie habe sieben Geister gehabt, die Jesus ihr ausgetrieben habe, so berichtet die Bibel. Sie war also eine, die ihr normales gesellschaftliches Leben, von dem sie als wie auch immer „Besessene“ ausgeschlossen war, Jesus verdankte. Sie war, so kann man sagen, eine „Gerettete“. Sie verdankte ihr Leben diesem Jesus. Und sie hielt nun einfach zu dem, der sie „gerettet“ hatte und sie ging, wie eine ganze Reihe anderer es auch taten, darum mit ihm. Ja sie gehörte zu den besonders Treuen. Sogar am Grab Jesu kann man sie mit anderen Frauen finden und in großer Trauer am Ostermorgen geht sie zum Grab.
Doch nun geschieht etwas ganz Großes. Sie wird zur allerersten Auferstehungszeugin. Sie ist die erste, die ihn nach der Auferstehung sieht! Ihn nicht sofort erkennt. Wie auch. Das ist ja auch unglaublich!
Ob wir ohne Maria Magdalena Ostern feiern würden?

Und nun meine ich, dass Maria Magdalena für uns heute, auch für Euch Konfis, ein großes Vorbild ist. Sie ist sozusagen der „Prototyp“ eines Christenmenschen!
Ein Christ bzw. eine Christin verdankt sich ja auch Tod und Auferstehung Jesu Christi. Er erkennt, dass er sich der Liebe Gottes verdankt. Wie Maria Magdalena. Beim Taufgottesdienst und im Taufkurs haben wir es ja noch vor Kurzem gesagt: In Tod und Auferstehung Jesu Christi hinein sind wir getauft! Das ist unsere Initialzündung. Sie hat die Wirkung, dass wir aus den unguten Bindungen wir in Gottes Liebe hineingenommen sind und hineingenommen in das, was die Bibel das „neue Leben“ nennt!
Die von Gott geschenkte Liebe wird zum Maßstab. Sie war auch für Jesus der Maßstab. Bei aller Unzulänglichkeit, die wir Menschen gewiss haben, werden Begriffe wie Zuwendung, Frieden, Gerechtigkeit, Bewahrung der Schöpfung nicht einfach große Worte bleiben, sondern der Versuch, sie ins konkrete Leben zu übersetzen startet der, dem das Ganze ernst und wichtig ist.


Liebe Gemeinde, liebe Konfis,
Als wir am Anfang uns das Thema „Frauen in der Bibel“ überlegten, habe ich ehrlich zuerst gedacht, jetzt machen wir ein „Emanzenthema“. Was aber ist daraus geworden? Ganz wichtige grundsätzliche Hilfestellungen für das Leben, die wir uns erarbeitet haben!
Darum meine ich, hat sich diese Arbeit gelohnt. Und ich hoffe, dass Ihr diese vier Frauen nicht vergessen werdet.
Werft bitte Eure Ordner nach der Konfirmation nicht fort. Dann könnt Ihr immer noch einmal reinschauen. Und auch auf sie werdet Ihr dabei stoßen: auf Eva, Sara, Maria und Maria Magdalena!

Und der Friede Gottes …