Predigt
Konfirmationspredigt
„Weinstock, Reben und Trauben“
Johannesevangelium 15,5
Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun.
Liebe Gemeinde, liebe Eltern, Paten, Angehörige –
liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden,
1
welche Bibelworte werdet Ihr wohl aus Eurem Konfirmandenunterricht behalten? –
Den Psalm 23 – die Zehn Gebote (so ungefähr) – Das Vater unser? –
Ich habe bis heute die sogenannten „Ich-bin-Worte“ nicht vergessen!
Das sind Sätze, die Jesus gesagt hat. Die fangen immer mit „Ich bin“ an.
„Ich bin …“ und dann folgt ein Vergleich.2 Z.B. Ich bin „Ich bin das Licht der Welt.“ „Ich bin der gute Hirte. „Ich bin das Brot des Lebens.“ Und eben hier: „Ich bin Ich bin der Weinstock.“
Acht solcher Sätze von Jesus kennen wir.
Behalten habe ich sie weniger, weil ich sie auswendig lernen musste, sondern wahrscheinlich einfach deshalb, weil sie so anschaulich sind. Brot, Hirte, Weg, Licht, Tür, Weinstock! Da muss man bei einem Bibelwort einmal keine komplizierten Gedanken nachvollziehen, sondern man hat direkt ein Bild vor Augen. Und ich denke, da habe ich mir schon als Konfirmand etwas drunter vorstellen können, wenn Jesus so ein Vergleichswort für sich selbst gesagt hat.

2
Weinstock mit Reben und Weintrauben dran.
Das ist das Bild heute für Eure Konfirmation.
Und es ist uns vertraut. Jeder war schon mal am Rhein, an der Mosel, in der Pfalz, oder in Italien, Frankreich oder Spanien.
Wir sehen ihn vor uns, den Weinstock mit Reben und Trauben: der Weinstock wurzelt fest in der Erde. An ihm sitzen wie eingepfropft die Reben. Sie erhalten vom Weinstock Wasser, das sie zum Leben brauchen. Das Wasser transportiert die nötigen Nährstoffe. So vertrocknen die Reben nicht, sondern können gedeihen. Und darauf kommt es ja an. Denn so bringen dem Winzer den gewünschten Erfolg, wenn sie dann gute Trauben und jede Menge Einzelfrüchte tragen.
3
„Ich bin der Weinstock.“ Ich –bin-Wort“. Jesus. Es ist klar und das habe ich schon gesagt: damit meint Jesus sich selbst. –
Aber wer sind dann die Reben, also „Ihr“? Wer ist damit gemeint?
Auch das ist klar: Mit „Ihr“ sind alle die gemeint, sind die, die zu ihm, zu Jesus Christus, gehören.
„Ihr“. Nicht nur die Menschen damals. Nicht nur die Jünger. Nicht nur die, die damals bei ihm waren und ihn hörten.
„Ihr“. Alle, die sich zu ihm halten. Alle, die an ihn glauben. Alle, die seine Liebe spüren. Alle, die aus seiner Liebe schöpfen. Alle, die gehört haben, dass er alles für uns getan hat, dass wir Gott, seinem Vater, also sozusagen dem Weingärtner, recht sind. Alle, die ihm vertrauen. Alle, die getauft sind und mit ihm in der Taufe verbunden wurden, in der Taufe zur Rebe wurden. Ja, auch ich damals, als ich konfirmiert wurde, bin es bis heute.
Ja, und „Ihr“ eben auch, Ihr, die heutigen Konfirmandinnen und Konfirmanden hier in der Johannes-/Christuskirche Wuppertal-Elberfeld.
Alle diese „Ihrs“ und auch eben „Ihr“ bekommen von ihm her – von Jesus Christus her – die nötige Nahrung und Lebenskraft.
Das möchte ich Euch bewusst machen, Euch heute noch einmal zusagen: Ihr lebt in einer engen Verbindung zu dem, der Euch gesegnet hat.
Er versorgt Euch an dem Platz, der Euch in dieser Welt in einer gewissen Zeitspanne dieser Welt Euch zugedacht ist. Er versorgt Euch
mit Leben,
mit Fröhlichkeit,
mit Gelassenheit, Zufriedenheit, Erfüllung
mit Fähigkeiten, das Leben meistern zu können. – „Ein Leben muss erst einmal gemeistert werden,“ hat einmal ein kluger Mensch gesagt. Das mag Euch im Moment vielleicht noch nicht so einleuchten, wird es aber irgendwann, da bin ich sicher. –
Er versorgt Euch
mit seiner Zuwendung zu Euch,
mit seiner Liebe.
Und wenn das Leben schwer wird, dann entpuppt sich die Kraft, die Jesus schenkt, als wahre Himmelskraft. „Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig!“ hat er gesagt. Da spürt man, wie man nichts – wirklich nichts – anders nötig hat, als seine Zuwendung!
4
„Ich bin der Weinstock; Ihr seid die Reben.“ Weiter: „Wer in mir bleibt und ich in ihm …“ Jesus lenkt den Blick auf eine ganz bestimmte, auf die entscheidende Stelle: „Wer in mir bleibt und ich in ihm …“. Darauf kommt es an! Das ist kein Satz der Telekom: „Auf die Verbindung kommt es an!“ Eher könnte Jesus einen solchen hier gesagt haben. Da, wo die Reben eingepfropft sind in den Weinstock, diese Stelle muss stimmen. Ansonsten: Kein Wasser. Keine Nahrung. Keine Kraft.
Wenn Reben abgeknickt sind, wenn sie abgerissen sind, was geschieht da?
Verkümmert da nicht der Glaube?
Wird das Leben eines Menschen dann nicht
lieblos
– und darüber dann auch ziellos,
sinnlos möglicherweise
oder vielleicht sogar haltlos?
Ich erlebe es jedes Jahr schmerzlich – das gebe ich zu -, dass ich denke, die meisten von denen sieht du nie wieder. Nicht mal die, die so super mitgemacht haben!
„Erst mal sonntags ausschlafen!“ hat einer meiner Mitkonfirmanden gesagt – und zwar der, der während der Konfirmandenzeit am meisten im Gottesdienst war!
Dann ist es auf einmal vorbei.
Doch, siehe da, auf einmal – und das macht mich hellhörig; da sehe ich doch tatsächlich eine ehemalige Konfirmandin oder einen ehemaligen Konfirmanden im Gottesdienst sitzen. Es kommt vor!
Und dann erlebe ich auf einmal – und das kommt tatsächlich Jahr für Jahr immer wieder vor, dass am Telefon jemand sagt: „Gerson, kennst du mich noch? Ich möchte jetzt kirchlich getraut werden.“
Oder: „Ich habe jetzt ein Kind bekommen. Kannst du nicht die Taufe machen?“
Ich habe hier im Gottesdienst z.B. auch schon mal ehemalige Konfirmandenhelfer miteinander verheiratet – und siehe da, kurze Zeit später kam das erste, dann das zweite Kind – und in einem Konfirmandengottesdienst, in dem die aktuellen Konfirmandenteamer anwesend waren, haben wir das zweite Kind getauft. Da habe ich den aktuellen Teamern gesagt: „Seht an: in 10 Jahren kommt Ihr mit Euren Kindern!“
Und noch eins: In diesem Jahr werde ich zwei Menschen miteinander verheiraten, die sich – ja tatsächlich – im Konfirmandenunterricht kennen gelernt haben! [Ihr müsst Euch jetzt nicht fragen, ob Euch das passieren kann. Die wussten das damals auch noch nicht.
Warum sage ich das so ausführlich? Weil ich da aufmerksam gemacht werde – ich denke Gott will mir da Mut machen: es war doch nicht alles umsonst, was Du da im Konfirmandenunterricht gemacht hast. Da ist etwas geblieben.
Ich möchte Euch sagen: da hat Jesus seine Finger im Spiel. Er versorgt nämlich immer noch mit seinem ‚Weinstockwasserrebensaft‘! Noch nach 10 Jahren. Noch nach 20 Jahren. Immer weiter …
Auch Ihr werdet es erleben. Er bleibt bei Euch mit seiner „Versorgung“! –
Nur – wenn das so ist, bleibt dann noch die Frage: warum machen so viele so viel Pause vom guten Lebenssaft. Jeden Tag im Gebet, jeden Sonntag im Gottesdienst kann man doch davon haben! Aber nein, sie pflegen diese Stelle zwischen Weinstock und Rebe, die Jesus für so wichtig hält nicht. Warum nur?
Jesus demgegenüber macht immer weiter – auch wenn wir selbst nicht begehren, unsern Lebensdurst zu löschen.
5
Auf jeden Fall: Es ist eine fruchtbringende Beziehung zwischen Weinstock und Rebe. In jedem Fall. Im wahrsten Sinne des Wortes. Sie trägt Früchte,
Auf dem Bild auf unserm Gottesdienstprogramm seht Ihr die Trauben in Pastors Garten. Im letzten Jahr hat unser Riesling unheimlich viele Trauben getragen. Damit war überhaupt nicht zu rechnen. Nach einigen kümmerlichen Ergebnissen in den letzten Jahren.
Manchmal denken wir vielleicht: was kommt bei meinem Christsein schon heraus? Ja, und oft sind es nur ein paar vereinzelte Früchte und keine schweren und zahlreichen Trauben.
Aber in wen die Liebe Gottes strömt, der wird auch andere lieben.
Wer von Christi Barmherzigkeit getragen wird, der wird auch mit anderen barmherzig umgehen.
Wer weiß, dass seine Schuld von Jesus am Kreuz getragen wurde, der wird auch anderen vergeben können- vielleicht nicht immer sofort, aber wenn es überhaupt jemand hinkriegt, dann der, an dem Christi Tod und Auferstehung wirksam sind.
- Ins Wasser fällt ein Stein, ganz heimlich still und leise.
Und ist er noch so klein, er zieht doch weite Kreise.
Wo Gottes große Liebe in einen Menschen fällt, da wirkt sie fort, in Tat und Wort hinaus in unsre Welt. - Nimm Gottes Liebe an. Du brauchst dich nicht allein zu mühn,
denn seine Liebe kann in deinem Leben Kreise ziehn.
Und füllt sie erst dein Leben, und setzt sie dich in Brand,
gehst du hinaus, teilst Liebe aus, denn Gott füllt dir die Hand.
Amen.
Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle unsere menschliche Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus.







